Museo di Leventina a Giornico


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Giornico


GIORNICO


Das Museum befindet sich in Giornico: typisch für dieses Dorf ist die kleine Insel, die sich aus dem Tessin erhebt und mit zwei schönen Brücken mit dem übrigen Dorf verbunden ist. Oberhalb des Dorfes befinden sich die nördlichsten Rebberge des Tales. Im Dorf stösst man auf zahlreiche Kirchengebäude, wobei die Kirche San Nicola, ein prachtvolles Gebäude im romanischen Stil, zweifelsohne das bekannteste ist. Interessant sind auch die 6 anderen Kirchen auf dem Gebiet, von denen wir die Kirche Santa Maria del Castello mit dem, was von einem ehemaligen Befestigungsbau übrig geblieben ist, sowie die Pfarrkirche San Michele nennen möchten.

Im Dorf stehen noch verschiedene alte Häuser wie das Haus “Degli Stanga” mit seinen interessanten Fresken, das heute Sitz des ethno­grafischen Museums der Leventina ist. Ausserdem gibt es die "Congiunta”, ein kürzlich erstellter Bau, in dessen Innern zeitgenössische Skulpturen ausgestellt sind. Als Zeugnis für die geschichtlichen Ereignisse erwähnen wir das Schlachtdenmal "Il Monumento della battaglia di Giornico”, ein Werk des Bildhauers Apollonio Pessina von Ligornetto, das 1927 in Erinnerung an die Schlacht vom 28. Dezember 1478 zwischen den Einwohnern der Leventina und ihren Verbündeten gegen die Truppen von Mailand errichtet worden ist.

Zur Geschichte Giornicos

Die Leventina war ursprünglich ein abgeschiedeNes Tal ohne wirtschaftliche Reichtümer und ohne strategische Bedeutung. Deshalb haben es die Römer auch erst zur Zeit des Kaisers Augustus, d.h. 180 Jahre später als das südliche Tessin ihrem Reiche einverleibt. Die Römerherrschaft im Tale währte immerhin über 4 Jahrhunderte, und in dieser Zeit nahmen die keltischen Bewohner Sprache, Sitte und Kultur der Eroberer an. Die Römer liessen die vorgefundene Gemeindeordnung bestehen: neben privatem Landbesitz gab es auch gemeinschaftlichen Besitz aller Dorfbewohner, die Allmende. Die Dorfgenossenschaften (“Vizinanzen”) haben sich bis auf den heutigen Tag erhalten.

Im frühen Mittelalter wurde das Tal dem oberitalienischen Reich der Langobarden angegliedert. Die Langobarden waren in Italien eingedrungen, hatten das Land unterworfen und siedelten auch in der Leventina. Die Langobarden beschlagnahmten einen Teil des Grundbesitzes und liessen die Ländereien durch Hörige bewirtschaften. Aus den Langobardenfamilien, die sprachlich und kulturell bald in der einheimischen Bevölkerung aufgingen, wurde später die Schicht der adligen Feudalherren.Das Tal gelangte im 10. Jahrhundert unter die Lehnshoheit des Mailänder Domkapitels, als Kaiser Otto I den residierenden Bischöfen und Äbten die weltliche Gewalt über die Ihnen zugesprochenen Landgebiete übertrug.

Die Mailänder Domherren liessen sich von Statthaltern vertreten, von denen einer in Giornico seinen Sitz nahm. Giornico wurde damit zu einem bedeutenden Ort in der Leventina. Die Talbewohner genossen übrigens eine weitgehende Selbstverwaltung. Das 11. Und 12. Jahrhundert war geprägt vom Kampfe des Volkes gegen die Feudalherren, die adligen Grossgrundbesitzer. Das Mailänder Domkapitel unter stützte die Bestrebungen der Talbewohner, und in einem von Mailand aus angezettelten Volksaufstand gegen Ende des 12. Jahrhunderts wurde die Sonderstellung der Feudalherren endgültig gebrochen. Ein bedeutender Vertreter des Adels war Bernhard von Giornico (vergl. Anmerkungen auf Seite 5, bei der Beschreibung der Kirche Santa Maria del Castello), der zur Zeit des Kaisers Barbarossa zeitweise als Reichsvogt amtierte : Barbarossa versuchte vergeblich, den Mailändern die Lehnshoheit zu entziehen. Bernhard von Giornico unterwarf sich später dem Mailänder Domkapitel.

Im 13. Jahrhundert wurde die Handelsstrasse von Zürich nach Mailand über den St. Gotthard-Pass eröffnet. Der Pass vorher nur eine lokale Bedeutung gehabt. Jetzt wurde Giornico zu einem wichtigen Umschlagplatz an dem neuen internationalen Verkehrsweg. Die damals nach altem römischen Vorbild erbauten klobigen Steinbrücken sind als Zeugen der Zeit erhalten geblieben. Etwa aus dieser Epoche stammt auch der Wohnturm Torre di Atto.

Mailand hatte sich im Laufe der Jahrhunderte zu einem demokratischen Stadtstaat entwickelt. Später ging die Macht an reiche Adelsfamilien über und Anfang des 14. Jahrhunderts setzte sich das Geschlecht der Visconti als Alleinherrscher durch. Im Jahre 1395 wurde Mailand (gegen Schmiergelder) vom Römischen (deutschen) König Wenzel zum Herzogtum erhoben. Die Mailänder Domherren gerieten zunehmend in die Abhängigkeit der Herzöge. Die deshalb um ihre Freiheit bangenden Bewohner des Livinentales suchten Schutz bei den Eidgenossen nördlich des St. Gotthard-Passes.

Die Schweizer erkannten die strategische und handelspolitische Bedeutung des Tales und mit wechselndem Erfolg versuchten sie vom Jahre 1402 an beharrlich, das Gebiet in ihre Gewalt zu bringen. Die Talbewohner sympatisierten mit den Schweizern. Die Entscheidung fiel endgültig am 28.12.1478. An diesem Tag drang eine Mailänder Streitmacht von 10.000 Mann im Tale vor. Eine Schar von 600 Mann, zumeist einheimische Bauern, stellte bei strengem Frost und bei heftigem Schneetreiben die Mailänder Armee bei Giornico zur Schlacht und Siegte. Das Livinental wurde “Untertanenland” von Uri. Giornico wurde Sitz des Urner Statthalters (“Landvogt” genannt) für das untere Livinental.

Anfang des 16. Jahrhunderts wurde die alte Burg geschleift, nur die Kapelle blieb bestehen (vergl. Beschreibung der Kirche Santa Maria del Castello auf Seite 5). Im gleichen Jahrhundert erhielt Giornico ein stattliches Rasthaus für die Reisenden auf der St. Gotthard-Strasse (vergl. Beschreibung der Casa Stanga auf Seite 6 unten). Die Herrschaft Uris dauerte drei Jahrhunderte. Es war eine alles in allem friedliche und geruhsame Zeit, in der die alte Gemeindeordnung, Sprache und kulturelle Eigenheit des Tales nicht verändert wurden. Die Talbewohner brauchten keine Kriegsdienste zu leisten und lebten viel besser als die Bewohner des Herzogtums Mailand. Im Jahre 1755 kam es allerdings aus einem unbedeutenden Anlass zu einem Aufstand, der ohne Kampf zusammenbrach. Die Talbewohner verloren damals viele Sonderrechte.Der Franzosengeneral Bonaparte zerschlug 1798 die alte Eidgenossenschaft.

Trotz französischen Druckes wollten sich die Leventiner (wie übrigens auch die anderen Tessiner) nicht an Oberitalien anschliessen. Uri verzichtete am 14.03.1798 auf seine Oberhoheit über die Leventina und das Tal wurde vorübergehend politisch selbständig. Doch die Talbewohner mussten sehr unter der Willkür der französischen Besatzung leiden. Aus Verzweiflung erklärten sie am 01.05.1799 der Französischen Republik formell den Krieg.

Nach 2 Wochen hatten die Franzosen das Tal fest in ihrer Hand.

Im Jahre 1803 rief Napoleon Bonaparte, der inzwischen zum Ersten Konsul der Französischen Republik aufgestiegen war (im Jahre danach liess er sich zum Kaiser der Franzosen erheben), einen neuen Schweizer Staatenbund ins Leben. Das Livinental kam zu dem neu gebildeten Kanton Tessin. Noch aber hatten die Tessiner kein Gefühl der zusammengehörigkeit, und ein grosser Teil der Talbewohner strebte einen Anschluss an Uri an. Der Wiener Kongress 1815 verbot jedoch diese Lösung.

1847 kam es in der Schweiz zu einem Bürgerkrieg, als die katholischen Kantone einen Sonderbund gründeten. Das katholische, aber antiklerikal eingestellte Tessin nahm gegen die Sonderbündler Partei, die daraufhin in das Livinental eindrangen. Die Niederlage an den anderen Fronten zwang jedoch die Sonderbündler zum Aufgeben. Der Schweizer Staatenbund wurde nun in einen Bundesstaat umgewandelt. Der Bürgerkrieg hatte dem Tessin schweren wirtschaftlichen Schaden zugefügt. Das Kanton hielt sich am Eigentum der Kirche schadlos.

Im Jahre 1859 hob ein Bundesgesetz die geistliche Jurisdiktion des Erzbischofs von Mailand in der Leventina auf. Das ohnehin schon gestörte kirchliche Leben wurde weiter erschwert. 1888 kam es zu einem Kompromiss : nach über einem Jahrtausend wurde die Zugehörigkeit der Leventina zur Diözese Mailand formell aufgehoben und das Tal dem neu gebildeten Bistum Basel und Lugano eingegliedert. Erst im Jahre 1971 wurde diese formale Zusammenfassung von zwei räumlich getrennten Gebieten beendet und ein eigenes Bistum Tessin gebildet.

1882 wurde der Bau der St. Gotthard-Eisenbahn vollendet, Giornico bekam eine Bahnstation. Das brachte einen gewissen Aufschwung. Doch das Livinental litt (wie das übrige Tessin) im ganzen 19. Jahrhundert sehr unter wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die erst um die Jahrhundertwende ganz langsam abklangen. Allerdings begann eine gewisse Konzentration auf die grösseren und zentralen Orte. 1986 wird Giornico einen Autobahnanschluss erhalten, dessen Auswirkungen noch nicht klar sind.

Die Leventina gehört kulturell und volkstumsmässig seit der Spätantike zur Lombardei. Der italienische Einfluss blieb auch erhalten, als die staatliche Oberhoheit vom Mailänder Domkapitel auf die Eidgenossen überging. Erst der moderne Handel und Wandel haben eine gewisse Angleichung an die übrige Schweiz gebracht.

Für weitere Auskünfte, besuchen Sie die offizielle Hompage der Gemeinde Giornco.


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